Betriebsrundgang

Ostmigranten

Maruschka zeigt Catia die Häuschen, Zimmer, die Wäscherei und das Lager. Zuletzt geht sie mit ihr in das Personalzimmer.

„Wir haben nur Gemeinschaftszimmer. Das teilst du mit drei deiner Kolleginnen.“

„Und mein Liviu?“

„Der teilt sich ein Zimmer mit zwei Kollegen.“

„Wie kann ich dann mit meinem Liviu zusammen sein?“

„Das müßt ihr euch mit den Kolleginnen absprechen.“

„Gibt es auch Doppelzimmer?“

„Für die Gäste schon. Euer Doppelzimmer ist im Moment an Gäste vermietet.“

„Wann wird das frei?“

„Kommende Woche. Wenn nichts dazwischen kommt?“

„Und wenn Etwas dazwischen kommt?“

„Wir versuchen unser Bestes, dein Zimmer frei zu bekommen. Zur Not kannst du Julia oder Meme fragen. Die haben jeweils ein Doppelzimmer allein.“

„Warum das?“

„Ihre Freunde sind gegangen.“

„Kommen die wieder?“

„Ich schätze nicht.“

„Dann können die ja zusammen ziehen.“

„So einfach geht das nicht. Die sind schon zehn Jahre bei uns und damit Stammpersonal.“

„Was ist dabei so besonders?“

„Die haben Freunde oder Freundinnen, die bei ihnen oft übernachten. Da sie schon sehr lange bei uns sind, können wir uns nicht einmischen. Das ist deren Privatleben bei uns.

Maruschka scheint auch von eigenen Erfahrungen zu reden.

„Fragt mal die Zwei. Die helfen euch gern, schätze ich.“

Catia scheint langsam zu verstehen. Liviu nicht so recht.

„Die größeren Sammellager benutzen wir für neue Kollegen. Wenn die dann bei uns bleiben möchten, bekommen sie ein Doppelzimmer. Einzelzimmer haben wir keine für das Personal.“

Jetzt wird auch Liviu alles klar.

Hilbert und Maruschka achten auf die privaten Wünsche ihres Personals. Wahrscheinlich auch wegen eigener Erfahrungen. Im Betrieb arbeiten immerhin auch reichlich Einheimische. Sozusagen, auf Suche. Für immer oder für einen Seitensprung. Offensichtlich gilt das auch für diverse Gäste. Spekuliert Catia.

Liviu lässt das ganze Theater scheinbar unberührt. Er sieht das herrliche Anwesen und seine Aufgaben.

„Euer Gepäck holen wir mit dem Wagen. Einer unserer Hausmänner. Er verlässt uns leider. Dafür stellen wir dich ein“, sagt Maruschka.

„Warum geht er?“

„Eigentlich geht bei uns kaum Jemand. Er muss zu Hause sein Gut übernehmen. Der Papa ist gestorben.“

Catia und Liviu klingt das überzeugend genug. Kein Bisschen nach Notlüge.

Hilbert kommt persönlich, Liviu abholen. Er zeigt ihm die Werkstatt. Die ist riesengroß. Auch mit Garage. In der Garage steht eine Art – Geländewagen.

„Der ist für dich. Du hast schon auch recht große Entfernungen zurück zu legen. Auch den Einkauf.“

Liviu wird hellhörig. Einkauf. Ort. Ausgang.

„Dein Lager ist deine Aufgabe.“

Das Lager scheint noch größer als die Werkstatt samt Garage. Tennisnetze, Körbe für Basketball, Golfzubehör, Volleyballnetze, ein Billard, verschiedene Automaten, Tischtennisplatten und so weiter.

„Überrascht?“, fragt Hilbert. „Ihr seid drei Hausmänner. Bei schwierigen Sachen musst du deine Kollegen ansprechen. Die haben auch Werkstätten.“

„Geht denn hier so viel kaputt?“, fragt Liviu leicht besorgt aussehend.

Hilbert lacht. „Wir sind hier eine Urlaubsdestination. Ein Dorf mit fast Tausend Betten ohne Aufbettung. Mit Aufbettung, sind es fünf Hundert mehr. Pro Urlauber, dürfen Sie am Tag mit mindestens einem Schaden rechnen. Das beginnt am Frühstücksbuffet über den Fitnessraum und das Freigelände bis hin zum Zimmer. Unsere Einrichtungen sind nicht das Eigentum unserer Gäste. Genau so, benehmen die sich.“

„Wie erfahre ich von den Schäden?“

„An der Rezeption.“

„Sind wir dann in der Hochsaison genug Hausmänner?“

„Natürlich. Was ihr selbst nicht schafft, tun Handwerker aus dem Ort.“

Liviu wirkt erleichtert.

„Diverse Dinge haben wir als Ersatz. Den tauschen wir für Reparaturzwecke. Die Reparatur übernehmen Partnerbetriebe.“

Catia dachte nie an so einen Umfang. Liviu muss sich erst mal setzen. Hilbert lacht.

„Einen Obstler?“

„Jetzt könnte ich schon Einen gebrauchen.“

„In der Werkstatt steht ein Kühlschrank für diese Zwecke.“

„So oft benötige ich keinen Obstler.“

„Ein Kollege von dir, dafür um so öfter.“

Catia schaut besorgt zu Liviu. Liviu bemerkt das. Mit den Augen gibt er ihr Zeichen, sie hätte diesbezüglich nichts zu befürchten. Hilbert spürt das.

„Im Kühlschrank stehen auch alkoholfreie Getränke. Ihr habt ein Lager dafür.“

Beim verkürzten Rundgang über einen Teil des Geländes, bekommt Liviu seine Ausgaben konkret gezeigt. Die Pflege der Bäume, Hecken, Pflanzen und des Rasens. Liviu wird bewusst, das geht nur flexibel in den Tagesablauf einzuschieben.

‚Dafür muss ich mir einen Plan zurecht legen‘, denkt er.

„Dein Vorgänger hat das nach Plan gemacht“, sagt Hilbert. Er zeigt Liviu den Plan.

„Den kannst du so übernehmen. Das hat gut funktioniert.“

Liviu bedankt sich. Ein Geschenk des Himmels. Der innere Druck lässt nach.

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