Einweisung

Ostmigranten

Hilbert gibt Liviu ein Buch in die Hand.

„Das Reparaturbuch“, sagt er lächelnd.

„Darin sind alle Handwerker, Händler und Partner mit Telefonnummer und Adresse verewigt. Auch die vergangenen Reparaturen. Wegen der Garantie.“

Das Buch ist eine Art – Ordner. Die Seiten können ergänzt oder entfernt werden.

„In zwei Tagen hast du das gelernt.“

Liviu fällt das Du auf. Er traut sich noch nicht, Du zu sagen.

„Wir pflegen hier im Kollektiv das Du“, fordert ihn Hilbert auf. „Gehen wir zur Jause?“

Tatsächlich haben Liviu und Catia reichlich Hunger bekommen bei dem Programm.

Bei der Jause werden dem Personal die Reste der Jause des Vortages angeboten. Heute reichte das nicht. Die Neuanreisen gestern haben das Buffet komplett leer geräumt. Dabei auch ihre Taschen gefüllt. Hungern ist deswegen nicht angesagt beim Personal. Die Köche mussten die Reserve aus den Gefrierzellen angreifen. Das Gefühl der Frische, verleitet die Kollegen, kräftig zu zulangen. Aus der Küche kommen extra noch Nudelaufläufe, Würste und Blechkuchen. Catia weint fast bei dem Anblick.

„Wie zu Hause“, flüstert sie zu Liviu.

„Bechthild zeigt euch euer Zimmer. Wenn Etwas fehlt, sagt ihr Bescheid. Bechthild ist meine erste Frau und ein Manager im Resort.“

Catia findet Bechthild eigentlich schöner als Maruschka. Im Moment fragt sie nicht weiter. Sie glaubt, Näheres durch Kolleginnen in der Wäscherei zu erfahren.

Das Zimmer sieht tatsächlich wunderschön aus. Die Betten sind getrennt. Als Einzelbetten aber ziemlich breit gehalten. Liviu schätzt einen Meter und Zwanzig. Von Kollegen weiß er, normal ist das nicht. Seine Kollegen erzählten von schmalen, oft zu kurzen Betten. Auch von brettharten Liegen und durchgelegenen Zustellbetten.

„Die Betten sind von unseren Zimmern“, sagt Bechthild. Sie hat den fragenden Blick Livius‘ bemerkt. „Wir wollen schon auch, dass ihr es gemütlich habt.“

Sie sagt das in einem Ton, als hätte sie auch an sich gedacht. Wer weiß? Liviu rätselt nicht weiter. Catia hingegen schon.

Nach dem Duschen legen sich die Beiden hin. Das Abendbrot verschlafen sie. Sie wecken erst auf, als das Abendmenü beendet ist. Die Gäste werden etwas lauter. Sie spazieren durch das Feriendorf. Angetrunkene sind dabei. Auch Kinder. Um diese Zeit. Es ist nach Zehn.

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