Wenn nichts anliegt, wird eben ein Event erfunden. Luzio verfügt über mehrere geschnitzte Gaben aus dem Tal. Eine heilige wird sicher darunter zu finden sein. Im Moment ist das Konto voll. Er wartet praktisch auf die kommende Not. Deshalb hat er auch reichlich Zeit, die Bewohner der Schmiede zu bekehren. Langsam findet er auch Geschmack an der Küche der Uriel – Bewohner.
Zumal auch Eleonore auf den Eröffnungssegen wartet. Eleonore pflegt ihre Eltern selbst. Zeit, einen Mann zu finden, bekam sie dabei nicht. Luzio besucht sie drei Mal die Woche. Der Hof, die Tiere und ihre Eltern, bieten reichlich Bewegung. Für den Spaß suchen die Männer des Tales eher Frauen mit reichlich weichem Fleisch. Bei Eleonore finden sie das nicht. Selbst die Schafböcke kuschen vor Eleonore. Obwohl sie mit menschlichen Gedanken, Eleonore ziemlich gut gebaut fänden. Den prächtigen Körper samt gesunder Bräune, verdankt Eleonore ihrer Arbeit und dem stetigen Auf und Ab im Tal. Eleonore verfügt über einen kleinen Traktor. Den hat Papa noch gekauft. So oft, wie sie mit der Maschine arbeitet und sie pflegt, könnte man denken, sie bräuchte keinen Mann. Für Zwischendurch hat Eleonore auch noch zwei Pferde. Die setzt sie normal für das Holzholen und Feldarbeiten ein. Gelegentlich reitet sie auch eine Runde. Zwei Mal im Jahr, zeigt sie ihre Prachtstücke bei Umzügen im Tal. Haflinger. Ein Pärchen. Das Pärchen zieht zwar reichlich Neugierige an; aber leider keinen Mann für den Hof. Dafür aber, junge, einsame Frauen. Zum Glück. Den Frauen übergibt sie nach deren Glücksritt die Pflege der Pferde. Damit verschafft sie sich etwas Freizeit für die Pflege ihrer Eltern.
Die Revolte beginnt
Die Bewohner der Altenheime sollen täglich Tests abgeben. Auch die Lieferanten.
Die Hochzeitsfeier von Magda und Andreas darf nicht statt finden. Selbst Luzio wird beim Betreten der Wohnanlage von der Gemeindepolizei getestet.
„Warum steht ihr gerade hier?“, fragt er Werner, den Ortspolizisten.
„Ich stehe mir hier die Beine in den Bauch und werde wo Anders dringend gebraucht“, ist seine Antwort.
„Wo? Bei Klaus?“
„Das auch.“
Werner trank immer seinen Kaffee oder einen Gespritzten bei Klaus. Klaus hat den Gespritzten oft etwas stärker ausfallen lassen. Er ist dankbar für den täglichen Besuch. Zumal sich im Ort sehr viele Touristen zeigen. Im vergangenem Jahr wurde Klaus schon einmal um die Tageseinnahmen gebracht. Zwei scheinbar Bewaffnete haben seine Kasse geplündert. Trotz der recht übersichtlichen Lage im Tal, gelang es den Carabinieri und der Polizei bisher nicht, die Täter zu fassen. Sein Geld ist weg. Der Schaden fiel recht hoch aus. An dem Tag fand eine Trauerfeier statt. Der halbe Ort und Gäste aus der Umgebung zechten den ganzen Tag. Den Räubern muss das bewusst gewesen sein, denkt er sich. Er geht von einem Plan aus. Einheimisch waren die Täter aber nicht. Er hätte sie erkannt. Sie trugen keine Masken. Im Angesicht des aktuellen Maskenzwangs, befürchtet er eine Wiederholung des Raubes. Nicht unbedingt in seiner geschlossenen Gaststätte. Er liefert außer Haus und hat nicht selten, recht hohe Beträge in der Tasche. Die Täter wären von Vornherein mit Maske unterwegs. Keinen würde das ernsthaft kümmern.
Neuerdings sollen sich die Lieferanten alle drei Tage testen lassen. Das wird in einem Dokument eingetragen und im Telefon. Das
sollen die Lieferanten bei Kontrollen stets vorzeigen. Kostenlos ist das für Unternehmer nicht. Die Masken und Tests müssen sie zahlen. Klaus bräuchte einen Tagesumsatz von drei Hundert Euro, um die zusätzlichen Kosten zu tragen. So üppig fällt aber das Geschäft nicht aus. Er glaubt, seinen Kollegen geht es ähnlich. Bei gelegentlichen Treffen unter Kollegen bei den Lieferungen wird von Ersatzdokumenten geredet. Luis, der Metzger, hat so ein Dokument.
„Irgendwer von unseren Hauptmännern stellt die aus. Immerhin sind echte Stempel und Unterschriften drauf“, stell er fest.
„Da verdient sich einer sein Häuschen“, antwortet Klaus. „Wie läuft das mit dem Schlachten?“
„Komisch. Unsere Bauern scheint Keiner zu kontrollieren.“
„Dann bekommen die Leute auch nichts zu Fressen“, schimpft Klaus. „Du kennst unsere Bauern. Wenn der Preis nicht stimmt, tun sie nichts. Sie suchen dann nach eigenen Wegen.“
„Das ist gerecht. Wir tun das auch.“
„Ich schätze, da steckt sehr viel Vorsatz drinnen.“
Toni und Monika haben jetzt reichlich Zeit, die Ursachen für das Sterben zu untersuchen. Die Schwestern beteuern, keinen Fehler begangen zu haben. Auch nicht bei der Tagesdosis der Medikamente. Schwester – Nadja ist zuständig für die Medikamente. Lange Gespräche sind nicht notwendig. Nadja zeigt den Zweien, wie das vor sich geht.
„Ein Irrtum ist ausgeschlossen“, bestätigt Monika noch einmal. Nadja zeigt etwas mit der Geste, wie lästig ihr diese Fragen sind.
„Das ist nicht nur Routine“, sagt sie. „Das ist reines Gewissen.“
Trotzdem bleibt festzustellen, die meisten Medikamente sind überflüssig. Oft zieht ein Medikament eine ganze Reihe zusätzlich benötigter Medikamente nach sich. Wegen der teilweise rabiaten Nebenwirkungen. Das bestätigt Nadja. „Die wenigsten neuen Medikamente sind wirklich ausreichend getestet. Die Tests werden wie beim Fahrzeugbau, mit dem Gebrauch von unzähligen Protokollen durchgeführt.“
Monika stellt fest, die unerforschte Erprobung wird zum Standard. Auch in der Medizin. Teilweise ließe sich das mit Notwendigkeiten erklären. Vor allem im Bezug zu neuen Krankheiten. Trotzdem sind hier die Entwickler von Medikamenten in der Pflicht. Angesichts des Systems, in der die Entwicklungen statt finden, kann man nur sagen: Welches System dient dem Leben und nicht dem Kapital – Weniger.

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