
„Wir müssten jetzt sämtliche Rechnungen und Überweisungen an die Firmen überprüfen. Damit ist noch nicht gesagt, ob die Rechnungen nicht gefälscht wären“, sagt Marco. Er schüttelt den Kopf. „Das dauert Jahre!“
„Gibt es einen anderen Weg?“, fragt Toni.
„Wir könnten uns auf die Lauer legen“. Ist Marcos Antwort. „Dafür müssten wir eine Falle legen. Etwa mit einer Falschmeldung. Wir hätten Spuren gefunden von den Giftmördern oder so ähnlich.“
„Wie wäre es zu sagen, Tobias hätte ausgepackt?“, fragt Monika.
„Es reicht zu sagen, das Land oder wir hätten das verlassene Haus gekauft“, sagt Paul.
„Geht nicht“, sagt Marco. „Das Gebäude war ein Labor. Es müssen erst Proben wegen der Umweltbelastung genommen werden.“
„Das ist doch die perfekte Erklärung. Also sind wir wieder am Anfang“, sagt Monika.
„Sind wir nicht. Wir haben unsere zwei Doktoren, Tobias und von Hauen samt seiner Praxis. Für mich steht fest, von Hauen hat das Labor benutzt.“
Die Konturen zeichnen sich immer sichtbarer ab.
Klaus, der Juniorarzt sagt, das Labor kann von Ärzten gemietet und benutzt werden. Von Hauen hätte aber ein Labor in seiner Praxis. Viel braucht es da nicht. Langsam begreift Monika. Toni scheint es eher begriffen zu haben.
„Kann man auch Einwegspritzen selbst füllen?“
„Natürlich. Wenn Keiner so richtig auf die Verpackung achtet, dann schon. Wenn er selbst als angeblicher Arzt spritzt, erübrigt sich die Frage. Kannst du dich an Mengelen erinnern?“
Die Senioren können sich alle erinnern. Meist verdrängen sie ihr Wissen. Oft wegen dem Mangel an Informationen. Ihnen wurde das weder in der Schule noch beim Studium besonders näher gebracht.
Insgesamt gestaltet sich die Aufklärung für Monika und Toni sehr schwierig. Auch sehr Zeit raubend. Gespickt mit sehr vielen Behinderungen auf allen Ebenen. Wichtige Dinge bleiben liegen. Und das schmerzt Monika besonders. Vor allem mit Blick auf Papa Lukas.
Das ganze Geschehen treibt Papa Lukas den Zorn ins Gesicht. Seine Gäste spüren das. Er wirkt etwas ruppig und ablehnend. Mama Frieda übernimmt deshalb die Bewirtung der Gäste am Ausschank. Lukas kümmert sich eher um die Tiere. Zur Ablenkung. Lukas hatte mit Frieda eigentlich geplant, sich nach der Übergabe an Toni und Monika ins örtliche Seniorenheim zu begeben. Er wollte Monika nicht bei der Bewirtung der Gäste behindern. Den Plan hatte ihm aber Toni bereits ausgeredet.
„Wir kümmern uns um euch“, sagte er sehr resolut. Dabei vergaß er leider seinen Terminplan. Der ist wegen seiner Nebentätigkeiten prall gefüllt. Oft reicht die Zeit nicht, amtlichen Verpflichtungen nachzukommen. Gerade in letzter Zeit häuft sich der Schriftverkehr aus dieser Richtung. Besonders wegen den Beherbergungen und der damit verbundenen Testpflicht wegen der Pandemie. Monika braucht dringend eine Bürohilfe. Sie regt an, die Bürohilfe bei den Senioren zu suchen. Wer bietet sich in erster Linie an? Clara. Toni soll mit Clara reden.
Toni bietet Clara an, auf die Boxerhütte zu ziehen. Frieda würde sie dort einarbeiten.
Clara hat reichlich Erfahrung im Büro und beim Schriftwechsel mit Beamten, Kunden und Gästen. Wie scheint, versteht sie Deren Sprache. Für Laien ist das oft nicht nachvollziehbar, was die schreiben. Vor allem dann, wenn Schreiben irrsinniger Weise mit Gesetzen und einzelnen Artikeln geschmückt werden. Das sieht Clara als sichtbaren Beleg für den Versuch, Verantwortung auf ein unbekanntes Objekt zu verlagern. Bürokratie ist ein wohl gepflegtes Instrument kapitalistischer Ausbeutung. Das lernte sie bereits in der Grundschule der DDR im Fach Staatsbürgerkunde. Gepaart mit dem Anliegen, die kapitalistische Bürokratie als Feind der Arbeiter zu betrachten. Die ist vorsätzlich so angelegt, um Ihnen das Maximum an Wegen und Formularen aufzuerlegen. Sie sollen einfach abgewimmelt werden oder in endlosen Warteschlangen verharren. Auf die Art sollen Sie freiwillig von ihrem Anliegen ablassen. Trotzdem es sich um eine einfache Erpressung handelt.
Clara nimmt die Stelle an. Die braucht sie auch. Sie bekommt als Migrant die Mindestrente. Sie muss sich die Mindestrenten dreier Länder zusammenstückeln. Auf diese Art kommt sie nie auf ihre volle Rente. Zum Glück, würde jetzt Toni sagen.
Der Büroplatz gibt ihr zu dem noch die Möglichkeit, den Generalstreik zu organisieren. Sie wird zum Hauptmann der Zentrale.
Clara liebt die Tiere des Hofes. Sie hilft Lukas auch bei den Fütterungen. Praktische Dinge wie Essen kochen und Putzen, sind nicht unbedingt Claras Stärken. In der Beziehung ergänzt sie Monika. Ihre Stärken liegen da, während sie im Büro eher Schwächen zeigt. Jetzt, mit Clara zusammen, lernt Monika auch diese Schwächen zu besiegen. Die Effizienz der Gruppe verbessert sich von Tag zu Tag.
Da Clara jetzt die Schaltzentrale führt, laufen bei ihr alle Erkenntnisse, Notizen und Schriftstücke zusammen. Auch die von Marco und seinen Kollegen samt der örtlichen Polizei. Monika und Toni hatten nie die Zeit, diese Erkenntnisse gebündelt zu betrachten. Vor allem die Protokolle der Aussagen bei Vernehmungen und Anhörungen sind bei Clara zu einer Art Forschungsprojekt geworden. Mit ihrer Routine sortiert sie die Fakten nach Zeit und Ort. Es bilden sich Umrisse, die gezielt erforscht werden müssen.
In Protokollen hat sie wichtige Hinweise gefunden. Von sämtlichen Impfungen wurden die Nummern der Spritze notiert. Auch, wem sie gespritzt wurden. Das scheint der Weg zu sein, den Toni und Monika gehen müssen.
„Besorge uns mal die Impfprotokolle“, sagt Monika zu Marco.
Marco nimmt das als Auftrag an. Er sieht darin ebenfalls eine Spur. Die haben sie vorher gar nicht so genau überprüft. Das erschien ihnen nebensächlich. Kurz darauf erscheint Marco bei Agate. Agate hat die Protokolle im Schreibtisch. Sie interessiert sich auch für die vielen unerwarteten Sterbefälle. Wegen ihres Rufes.
Korr0201260347

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