Herbert – 6

Mölten
Ein QR-Code mit einem kleineren Bild in der Mitte, das eine Landschaft zeigt.

Herbert war damit nicht der Einzige. Ein paar seiner Nachbarn beteiligten sich daran. Zumal ihr Boden dafür beste Voraussetzungen bietet. Der Boden ist etwas sandig und doch humusreich.

Dazu gehen alle seine Freunde und Kollegen, Harz gewinnen. Harz hat sich zu einem gefragten Produkt entwickelt. Das verspricht auch sehr gute Einnahmen.

Als Geigenspieler nutzte Hubertus sogar die Produkte, die aus Harz gewonnen werden. Kolophonium. Die Vorstufe von Bernstein.

Der Tabak hingegen war auch bei den sowjetischen Besatzern gefragt. In regelmäßigen Abständen besuchten sie Herbert. Herbert hatte einen Großteil seiner Ernte im Trockenschuppen zu hängen. Die freundlichen Soldaten holten sich gelegentlich ein paar Bunde aus Herberts Vorrat. Herbert presste sich in einer alten Spielkartenpresse seinen Eigenbedarf. Die Presse erwarb er im Tauschgeschäft für Eier. Zu der Zeit waren Eier sehr teuer.

Nach dem Mittagessen schnitt er sich genüsslich mit dem Messer ein paar Streifen des Gepressten ab und drehte sich die wohl verdiente Orientzigarette. Tagsüber rauchte er sonst kaum. Obwohl er reichlich Personalzigaretten aus Dresden bekam. Die wurden eher zum Tauschen gebraucht. Eine geraume Zeit galten die Zigaretten als Währung. Als wertvolle Währung. Vor allem als Bezahlung von Handwerkern. In der Genossenschaft arbeiteten auch viele landlose Mitglieder. Gerade für die war auch der Tabak vorgesehen. Vor allem zum Frühstück, zweiten Frühstück, Mittag, Vesper und Feierabendweg. Die Feldarbeit muss mit reichlich Pausen versehen werden. Sie wissen. Während dieser Arbeit ist der Kopf tiefer als der Rest des Körpers. Dadurch wird zwar das Gehirn besser durchblutet. Aber der Rest leidet. Bei Beamten ist es genau umgedreht. Aus dem Grund, schickte Igor – Christa oft zur Feldarbeit.

Zur Freude der Familie.

Hubertus wurde entlassen. Er bekam auch eine Wohnungszuweisung. Neben der Zuweisung für die Arbeitsstelle. Das Gehalt war für die Zeit ansprechend. Etwas höher als der Durchschnitt. Er bekam das Bergmannsgeld weiter. Es gab verschiedene Stufen des Zuschlages. Unter Tage, Vortrieb und oberhalb des Schachtes. Gießer zählten dazu. Gießer direkt am Hochofen, bekamen das Geld wie ein Vortriebsbergmann. Für Hubertus änderte sich damit nichts.

Die Wohnung befand sich etwas außerhalb von Karl-Marx-Stadt. Auf dem Land. Der erste Weg führte ihn zu Besichtigung der Wohnung. Der zweite Weg zu Herbert. Irma wartete mit den Kindern.

Der SMAD fuhr Hubertus zu Klaus, den Bürgermeister von Pumelitz. Dort erwartete ihn auch Christa und Irma. Beide unter Tränen. Klaus wollte den Strengen abgeben. Konnte aber den Tränen nicht widerstehen. Herbert und Helene holten Hubertus mit dem Ochsenkarren dort ab. Ochsen hatte Herbert zwar keinen. Das Symbolische sollte aber wirken. Das wirkte. Sogar nachhaltig. Die Bewunderung des Westens schlief umgehend ein bei Hubertus. Weder die Sowjets noch die Kommunisten der DDR mussten sich dafür einsetzen. Es war der Westen selbst. Samt den Märchenerzählern in den Medien.

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