Fortsetzung Albert

Gabi hat für die Speisereste praktisch die Verantwortung übernommen. Das wiederum gefällt Albert. Dem fiel das emsige Tun von Gabi besonders auf. Erinnerungen werden wach bei Albert. Er träumt von zu Hause. Jeder Bergmann verbrachte seine Freizeit mit Tierzucht und einen Garten. Hasen –, Fisch – und Hühnerzucht gehörten zum Standard. Nur, um jede freie Minute an der frischen Luft zu verbringen. Es ging auch um den Mangel an Sonnenschein und Vitaminen. Gabi tat genau das, was eingefleischte Bergarbeiterfamilien zu Hause taten. Wobei die Frauen zu Hause auch noch Beeren sammelten und Kräuter für die Kleintiere stachen.

So in etwa arbeiteten Gabis Eltern und Gabi auf ihrem Bauernhof. Simon, Gabis Vater, war auch Bergmann. Nebenbei zu seinem Bauernhof. Er musste den Beruf aufgeben. Sein Schacht stürzte ein. Seit dem, kann er einfach nicht mehr Untertage arbeiten. Gertrude, seine Frau, hatte ihm das auch verboten. In der LPG haben sie ein gutes Auskommen. Albert wird von Papa Simon recht freundlich aufgenommen.

„Du kannst bei uns wohnen.“

Simon freut sich für Gabi. Töchter von Bauern sind begehrt zu der Zeit. Man spekuliert mit einem vollen Kochtopf. Trotzdem schreckt viele Bewerber der Umfang der Arbeit ab. Die Schicht im Betrieb und dann zu Hause. Die LPG hatte zu dem Zeitpunkt keinen besonders guten Ruf. Es wurde zu viel von Normen und Plänen gesprochen. Das ist Neuland für die Deutschen. Besonders für die Bauern. Sie sind sich unsicher, was bei Missernten und technischen Pannen passiert.

Albert scheint das nichts auszumachen. Er liebt nicht nur Gabi. Auch die Landarbeit. Die sieht er als Entspannung zu der Tätigkeit am Band der Dämmstoffproduktion. Bis er den wahren Umfang der Landarbeit spürt. Bei Simon und Gabi hat er die Möglichkeit das zu lernen. Der Umgang mit Tieren ähnelt dem Umgang mit Kindern. Er ist ziemlich zeitaufwändig. Futter besorgen, Füttern, Stall ausmisten, Tiere pflegen, Gesundheitsfürsorge, Schule. Das ist nicht nur eine Tätigkeit, die den ganzen Tag erfordert. Nein. Auch die gesamte Freizeit. Es gibt keinen Urlaub. Keine Flucht vor einem Problem. Keinen Stellenwechsel. Dieser Beruf erfordert die volle Aufopferung.

Gabi liebt an Albert die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Mit ihm kann sie jedes Thema besprechen. Auch den Wunsch nach einem Nachfahren. Albert ist der Meinung, ihn würde das in dieser Situation zu stark belasten.

„Ich muss jetzt Klaus fragen, ob ich aus dem Bewährungsprogramm entlassen werden kann. Das gäbe uns und mir die Möglichkeit, als Bauer mit dir auf dem Hof zu arbeiten.“

Gabi ist begeistert von dem Vorschlag. Sie spricht Klaus direkt an. Zusammen mit Albert.

„Ich muss dafür den Kommandeur der Sowjets und die Parteiführung sprechen“, antwortet Klaus. Klaus ist sich sehr wohl bewusst, damit ein heikles Thema anzusprechen. Seine erste Anfrage geht damit an die betriebliche Parteiführung der SED. Der Vorsitzende ist Ernst.

Ernst ist Verfolgter des Naziregimes. Er trägt schwere Folterspuren am gesamten Körper. Die kleinen Zehen wurden ihm während den Verhören abgetrennt. Mit einer Kneifzange. Heute scherzt er etwas darüber. „Nazi – Pediküre. Meine Genossen hatten weniger Glück. Ihnen wurde die Männlichkeit geraubt. Sie sollten keinesfalls Kinder bekommen. Die Besamung ihrer Frauen übernahmen die Sturmbannführer. Höchst persönlich. In Gruppen. Zum Glück entstand dabei kein neuer Bormann.“

Albert ist erschüttert von den Erzählungen.

„Das habe ich nicht annähernd gedacht, was die taten. Ich dachte, das wären Lügen von der Roten Armee.“

„Beschäftige dich nicht weiter damit. Das ist unsere Aufgabe. Dafür bekommst du ja die Schulungen.“

„Bekommt ihr das hin, dass ich mit Gabi zusammen den Hof führe?“

„Ich versuche das. In der LPG würde mir das leichter fallen. Den Genossen Gottfried kenne ich persönlich gut.“

korr180626

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