In der Partei wird Klaus ganz schön auseinander genommen wegen der Anfrage. Man kennt die Bekenntnisse von Nazis und ihre Lügen. Kerstin gelingt es, eine emotionale Sicht auf das Geschehene zu offenbaren. Viele ihrer Freunde und deren Eltern wurden Opfer der Nazis. Garantien werden gefordert. Bürgschaften. Klaus soll mit Günter für Albert bürgen. Gabi und Kerstin natürlich auch. Wie soll das aussehen?
„Das sieht aus, als wäre Albert unser Sklave“, wirft Gabi ein.
„Das ist eine Partnerschaft“, entgegnen die Genossen. „Wir müssen uns auf Albert verlassen können. Alle wissen, was uns der Verrat gebracht hat. Wir haben viele wertvolle Genossen verloren“, entgegnet Gottfried. “Vom Leid der Familien will ich jetzt nicht erst anfangen. Das würde den Rahmen sprengen.“
Albert und Gabi sehen das ein. Simon zusammen mit Gertrude staunen nicht schlecht, mit welchen offenen Bekenntnissen im Rahmen der Genossen untereinander diskutiert wird. Nichts wird verschwiegen. Die Gruppe ist sich einig, im Rahmen von Bürgschaften ist die Mitgliedschaft in der Genossenschaft keine Frage. Der Antrag wird genehmigt.
Aus Freude darüber, lädt Gabi die Genossen zur Hochzeitfeier mit Albert ein. Albert selbst ist überrascht. Ihm kommen die Tränen. Nie hätte er gedacht, so schnell von einer Hochzeit träumen zu dürfen. Dazu in einen Bauernhof. Wohl in dem Wissen, eine schwere Bürde lastet auf ihm. Alle werden ihn jetzt beobachten und messen. Eigentlich ist ihm das so recht. Er wollte leiden für seine Taten. Jetzt wird ihm das Leiden sogar recht angenehm gestaltet. Wer büßt nicht gern im Schoß einer wunderschönen Frau, ohne dafür unnötig leiden zu müssen? Zu jener Zeit war das sicher ein Traum vieler Männer, die nach ziemlich schweren Leiden aus der Gefangenschaft zurückkamen. Wobei viele Soldaten vor der Gefangenschaft in Sibirien bedeutend schwerer litten. Albert berichtet gelegentlich darüber.
„Ich hatte mehr Angst vor unseren Feldwebeln als vor den Russen“, gestand er ziemlich oft.
Nachdem die Parteigruppe die Hochzeit und die Arbeit auf dem Hof absegnete, ging es zum Kommandeur der Befreier.
Genosse Wasilij hat schon gehört von dem Vorgang. Er selbst hat Albert mit seiner Bürgschaft in die Matten geschickt, wie er es gern ausdrückt.
„Du willst also jetzt die Matten wechseln“, fragt er lachend in Sächsisch, nicht ohne Hintergedanken.
Albert schämt sich etwas dabei. Das Gefühl Alberts bemerkt Wasilij natürlich. Er registriert eine erzieherische Wirkung bei Albert. Eine recht nachhaltige Wirkung in seinen Augen.
„Wenn du mir gelegentlich ein Gläschen Leberwurst mitbringst, habe ich nichts dagegen.“
Gabi muss lachen.
„Dann müssen wir auf die Reserven von Rainer zurückgreifen. Bei den Mengen.“
„Ich rede mit Rainer.“
Offensichtlich brannte das Anliegen schon lange auf der Brust von Wasilij. Bisher traute er sich nicht, das Anliegen vorzubringen. Im Tausch sieht er darin eine Berechtigung.
Rainer freut sich natürlich für den neuen Nachbar. Auch leicht spekulativ, wenn es um Hilfe geht. Die benötigt er recht oft beim Schlachten oder Verladen der Tiere. Albert muss das nicht versprechen. Aber berücksichtigen. Wohl in der Einsicht, welche Arbeit auf ihn zu Hause wartet.
Die Erlösung von der Produktion der Dämmwolle scheint gelungen zu sein. Dank Gabi. Gabi geht trotzdem noch in die Hütte arbeiten. Jetzt kann sie die Arbeit gelassener angehen. Simon und Gertrude ziehen sich zunehmend auf ihr Altenteil zurück. Den Hausgarten und der Geflügelzucht. Gertrude kocht und kann sich um das Frühstück kümmern.
Die großen Tiere gehören jetzt zu den Aufgaben von Albert. Nicht nur zu Hause. Auch in der LPG.
„Ein besseres Hochzeitsgeschenk hätten wir nicht bekommen können“, sagt Klaus zu seiner geliebten Kerstin. Walter hört das und nickt zufrieden.
Korr200626

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