Attentat in Dermulo

Fallen red motorcycle beside damaged blue car after a road collision

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Den Heimweg trete ich jeden Abend zur gleichen Zeit an. Pünktlich 21 Uhr putzen wir gemeinsam die Küche. Danach gehe ich in die zweite Etage. Dort bekam ich von den netten Wirtsleuten ein Personalzimmer. Hier konnte ich mich duschen und für die Heimfahrt umziehen. Bei schlechtem Wetter verbringe ich die Nächte in dem Zimmer.

Normal trinke ich vor dem Aufbruch noch einen Kaffee. Den halte ich mir vom Frühstück des Tages zurück. Der Kaffee ist notwendig. Die Abendausgabe des Menüs kann ziemlich anstrengend sein. Das macht etwas müde und schlapp. Andere Kollegen trinken ein Bier. Ich nicht, weil ich noch fahren will.

Auf dem Hof des Hotels gehe ich an einer Gruppe von Gästen vorbei. Natürlich in Schutzkleidung.

„Ah, ein Rennfahrer“, bekomme ich als Kommentar in bayrisch. Ich antworte in italienisch. Die Gäste sollen nicht merken, woher ich komme. Aus der besetzten, geplünderten DDR. Deswegen stehe ich hier als Arbeiter. Nicht als Urlauber.

„Buonasera!“

„Feierabend?“

„Si“

„In Südtirol herrscht Zweisprachigkeit.“

„Non capisco.“

Ich wollte mich mit diesen bayrischen Klugscheißern nicht anlegen und schon gar nicht unterhalten. Mir schien, als hätten die trotzdem meinen Akzent bemerkt. Am kommenden Tag werde ich das zu hören bekommen. Vielleicht hat das auch meine Chefin schon zum Besten gegeben, woher ich komme. Sie besitzt immerhin meine Bewerbungsunterlagen.

Eigentlich ist mir das nicht recht. Ich weiß von den Unternehmern, bei denen ich diene, nichts. Außer den offenkundigen Lügen, die ich im Laufe der Zeit bestätigt bekomme.

Um diese Zeit ist die Luft in den Tälern schön frisch und nicht zu trocken. Wegen des Flusses. Jedes Tal hat einen Fluss oder zumindest einen Bach.

Die frische Luft ist genau das, worauf ich den ganzen Tag gewartet habe. Das Sonnenlicht habe ich schon lange abgeschrieben. Das werde ich sicher erst als Rentner zu sehen bekommen. Oder auch nicht. Spekulationen habe ich schon seit Langem eingestellt. Auf der Heimfahrt fällt mir in einer Einfahrt ein wartender Motorradfahrer auf. Nachts grüße ich nicht mit der Hand. Mit dem Licht vielleicht. Nicht immer. Kaum passiere ich den Fahrer, fährt er los und folgt mir. Nach der Arbeit habe ich natürlich keine Lust, ein Rennen zu fahren. Schon tagsüber vermeide ich solche Provokationen und Aktionen.

Das Gleiche fiel uns schon auch im Auto auf. Wahrscheinlich gibt es in Südtirol – Fahrer, die unbedingt die Kraft ihrer teuer modivizierten Maschine mit der eines Passanten vergleichen oder messen wollen.

korr270826

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