korr270826
Woher weiß der Wartende, wann ich mit dem Motorrad komme? Woher weiß der, welchen Tag ich frei habe? Wartet der auf andere Motorradfahrer oder nur auf eine Gelegenheit, ein kleines Rennen zu fahren?
Das sind die Fragen, die mich etwas beschäftigen. Ich will kontrollieren, ob der mich nur heute durch Zufall trifft oder auf mich wartet. Wo fährt der ab?
Ich kontrolliere das im Rückspiegel. Auf alle Fälle grüßt er mich nicht. Auch nicht bei der Abfahrt in Bozen.
Am kommenden Tag koche ich für ein paar späte Gäste. Hamid hilft mir. Ich helfe ihm beim Putzen. Normalerweise putzt Hamid den Küchenboden. Er ist der Letzte, der den Boden betritt. Er räumt Geschirr, Töpfe und Kellen in die Schränke ein.
Jetzt komme ich etwa dreißig Minuten später den Weg nach Bozen entlang. Der Verfolger wartet auf mich. Erfolgt mir. Bei der nächsten Gelegenheit fahre ich auf einen freien Platz, um eine Pause einzulegen. Der Verfolger passiert mich. Ich rauche erst mal eine Zigarette, trinke einen Schluck Wasser und informiere meine Frau am Telefon über die Verspätung. Sie soll sich keine Sorgen machen. Nach etwa fünfzehn Minuten begebe ich mich auf den Heimweg. Und siehe da; der Verfolger wartet zwei Parkmulden später auf mich. Was soll das? Ich will den zur Rede stellen. Nichts. Sein Helm bleibt geschlossen. Ich frage mich gerade, warum ein Motorradfahrer abends oder nachts mit einem abgedunkelten Visier fährt. Jetzt weiß ich es.
Ist der ein Polizist? Will der mich bei einer Geschwindigkeitsübertretung ertappen?
Ich hatte bereits mehrere Kontakte mit Polizisten. Oft wegen lächerlicher Geschwindigkeitsübertretungen von zehn oder elf Stundenkilometern auf der Mebo. Die kosteten mich mitunter eintausend Euro. Ich kann als Koch nicht den Terminen von Ämtern nachkommen, weil ich zu deren Öffnungszeit arbeite.
Ich weigere mich, hinter Autos zu fahren, die voll gepackt mit dem Garageninhalt vor mir herum kurven. Vor allem hinter Autos mit Fahrradträgern und Gepäckboxen auf dem Dach. Beides durfte ich schon in Aktion erleben. Entweder löste sich ein Fahrrad oder mehrere und der Dachgepäckträger sprang auf. Die Erfahrungen haben mich vorsichtig gemacht. Ich weiß das. Die Polizisten nicht. Es gibt für mich jedenfalls keinen Grund, mich zusätzlichen Gefahren auszusetzen. Wer täglich mit dem Zweirad unterwegs ist, erlebt nahezu alle möglichen Pannen. Dazu kennt der Zweiradfahrer auch die Reaktionszeiten und die Möglichkeiten, zu reagieren sehr gut. Vor allem bei Nässe und Dunkelheit. In einem Auto fahren Sie darüber weg und beklagen den Schaden. Als Motorradfahrer sind die Möglichkeiten erheblich eingeschränkt.
Korr290826

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