Attentat – Fortsetzung

Fallen red motorcycle beside damaged blue car after a road collision

Das ist nicht nur Angeberei. In nahezu jedem dieser Kreaturen fährt der Mordgedanke mit. Entweder in Folge von Frust, Neid oder im Zusammenhang mit gescheiterten Vorhaben.

Die Hauptursache möchte ich nicht verschweigen. Suff. In kaum einer Region habe ich so viele Säufer und Alkoholiker hinter dem Steuer gesehen und gespürt wie in den Alpenregionen. Nicht nur bei den Einheimischen. Auch bei den Touristen. Genau das ist die Erkenntnis aus unserem Beruf, der Gastronomie.

Der hemmungslose Suff wird nur durch ein Instrument etwas gelähmt. Es ist der Preis der Getränke in der Gastronomie. Umgangen wird das mit einem hemmungslosen Verzehr auf den Zimmern. Sozusagen, die heimliche Bedienung der Alkoholsucht. Genau dort liegt auch die besondere Gefahr. Die Heimtücke und Unkontrollierbarkeit. Allgemein verteilen Säufer ihren Konsum über den gesamten Tag. In der Schule nannten wird den Spiegeltrinker. Die Unauffälligkeit ist der Auslöser der besonderen Gefahr. Der Konsum wird unüberschaubar für den Trinker.

Mit ein, zwei, drei schweren Remplern seitens des Mercedesfahrers ist die Lust scheinbar befriedigt. Der Motorradfahrer hat inzwischen Übung beim Ausbalancieren dieser Begegnungen. Der Attentäter hat bewiesen, seine Ausgabe von hundert Tausend und mehr für das Gefährt bestätigt seine Überlegenheit und den Rang in der Gesellschaft. Im Fall eines Sturzes hätte er sich sich mit voll geschissenen Hosen der Fahrerflucht hingegeben. Nur, um dem kommenden Alkoholtest zu entgehen. Zur Not hätte man versucht, mit etwas Geld nach zu helfen. Vielleicht auch mit vielen besänftigenden Worten leicht nach Unten gesprochen. Eigentlich würde dem Polizist der Blick in die gelben Augen und die ädrig unterlaufenen Wangen reichen. Vielleicht reicht auch ein Blick in das aufgedunsene Gesicht mit den ausweichenden, glasigen Augen.

Trotzdem hat der meine Motorrad – Verkleidung beschädigt. Die ist teuer. Leider kann ich mir die dreckige Nummer nicht merken. Ich könnte den sonst ausfindig machen.

Schon eine Woche später geht es nach Oberbozen zur Arbeit. Dort wäre angeblich das Domizil der gehobenen Beamtenklasse. So gehoben ist die nicht. Zumindest, was das Autofahren angeht.

Freitag Nachmittag verabschiedet man sich für das lange Wochenende aus dem Amt. Mit glasigen Augen und einem Leberwert, der in der Müllveredlung eine gewisse Bewunderung hervorrufen würde. Ich meine, bei der Umwandlung von Umweltgift in halbwegs nützliche Zwischenprodukte.

Ich fahre also zum Dienst und vor mir eine Frau in Wellenlinie. Sie wurde langsamer und zog nach rechts. Auf die Art wird allgemein suggeriert, „überhole mich bitte.“ Ich tat das mit Blinkzeichen. Jetzt zieht die Schlampe plötzlich nach links ab. Ich reagiere und fahre mit Mühe die gleiche Richtung wie die Betrunkene. Bis zum Bordstein – links. Dort halte ich an. Die Schlampe fährt weiter. Dort befindet sich eine Einfahrt. Sie hätte mit blinken und sich mit dem Absetzen nach Links zeigen können, was sie vor hat. Das ist der Bestandteil jeder Fahrausbildung. In Oberbozen offensichtlich nicht. Den Blinker hat die Schlampe erst gesetzt, als wir standen.

Plötzlich kommt aus dem Gebüsch ein Mann gerannt. „Ich bin Zeuge. Ich habe gesehen, was sie getan haben.“

„Rufen wir die Polizei. Ich muss mich eh auf Arbeit entschuldigen. Man wartet auf mich.“

Tatsächlich kommt ein Polizist. Nach einigen heimlichen Worten und Gesten, die ich nicht hören und sehen darf, kommt der Ortspolizist zu mir.

„Ich möchte einen Alkoholtest von mir und der Fahrerin“, bitte ich den Polizist. „Rufen sie bitte noch diese Nummer und entschuldigen sie mich auf meiner Arbeitsstelle.“

Dort hatte ich bereits angerufen. Der Polizist sollte das nur bestätigen. Nicht dass mir der Wirt einen Vertragsbruch vorwirft.

Plötzlich stellt sich heraus, das Auto der Frau hat einen kleinen Schaden. Sicher nicht von mir, wie sich später heraus stellte. Trotzdem hat mir meine Versicherung die halbe Last des Schadens auferlegt.

Ein Alkoholtest wurde nur bei mir vorgenommen. Witzig. Saufen die gemeinsam den Schlummertrunk im Weinkeller der Schlampe?

Der kommende freie Tag muss der Versicherung geopfert werden. Auch der Werkstatt – wegen der Verkleidung. Eigentlich wäre noch eine ärztliche Behandlung notwendig. Die Verhinderung des Sturzes hat auch ein paar Sehnen zu stark belastet. Dank der schweren Schutzkleidung konnte aber schlimmeres verhindert werden. Ein Motorrad wie ein Zweirad besteht auch aus Pedalen, heißen und kantigen Bauteilen. Angefangen bei Motor und Auspuff. Sobald Sie mit den Beinen unkontrolliert des Motorrad sichern müssen, schlagen Ihnen die Pedalen die Schien- und Wadenbeine kaputt. Nicht zu vergessen die baulichen und natürlichen Hindernisse auf den Straßen und Wegen. Helm, Stiefel und Handschuhe sind das Mindeste an Schutz, den Sie benötigen. Das verträgt sich nicht unbedingt mit Verkehrsteilnehmern, die nur sechzig Prozent ihrer Sinne benötigen um zu fahren. Und selbst diese Sinne werden noch erheblich belastet mit unnötigem Kram. Genau das führt zu leichtsinnigen Handlungen.

Das Schlimmste aber ist, im Auto sitzen fast immer mehrere Personen. Zeugen gegen Sie als Zweiradfahrer. Das Verbrechen und der Leichtsinn bekommt auch noch eine Deckung.

Schlimmer hingegen trifft es mich in Lana. Vorm Kreisverkehr am Buswendeplatz ist immer ein Stau samt Hochbetrieb. Neben der Einfahrt zum Einkaufcenter vom Aamort gibt es sowohl eine Bushaltestelle, eine Tankstelle und reichlich Fußgängerüberwege. An der Ausfahrt vom Einkaufcenter stehen wir. Ich mit dem Motorrad neben einem Audischrotthaufen. Der brauchte dringend eine Reparatur.. Offensichtlich hat der das Teil auf dem Schrottplatz abgeholt. Was macht dieser Strolch? Sobald die Einfahrt zum Einkaufszentrum frei wird, zieht dieser Verbrecher links ab. Linker Hand ist weder eine Einfahrt noch ein Weg. Dafür aber ein Bordstein, der einen halben Meter hoch ist. Eine freundliche Passantin sagt mir, sie sei Zeuge davon und könnte für mich aussagen. Leider habe ich das liebe Angebot nicht angenommen. Wieder eine Teilung der Schuld.

Irgendwann muss er doch klüger werden. Wann ist die Frage.

Beleidigend sind die Wege. Zuerst die Versicherung. Dann unser Maresciallo im Ort.

Zwischendurch muss er zum Arzt. Die Zeit vergeht, kein Resultat.

Ein Form der Realität holt mich ein. Pandemie. Wir dürfen das Haus nur mit Maske verlassen. Die Radsportler offensichtlich nicht. Plötzlich ist Südtirol voll mit Radsportlern. Nahezu jeder Radfahrer trägt jetzt ein Trikot samt dreihundert Euro teurer Sportbrille. Das scheint der Freifahrtschein zu sein. Schutzgeld. Das scheint kompletter zu sein mit Radfahrerschuhen. Mit den speziellen für die Profipedalen. Vielleicht kann man das mit Handschuhen ergänzen. Die mit den frei gelassenen Fingerspitzen. Bekanntlich frieren die zuerst. In Form von Schutzgeld wird darüber hinweg geschaut. Die heimlichen Zeichen wirken.

Zunächst dürfen wir nur im Ortsgebiet fahren. Ich frage mich, wie lang die Strecke zwischen Töll und Rabland ist und wie viele Mal man dort hin und her kreisen muss für fünfzig Kilometer.

Mit dem Motorrad darf ich dort nicht fahren. Also, fahre ich eine Partschins-Rabland-Runde. Die ist sogar recht anspruchsvoll. Trotzdem reicht das Training nicht aus.

Arbeiter mit Impfung dürfen alles. Ich nicht. KZ für Gesunde. Keiner zahlt die Fahrzeugsteuern zurück. Keiner die Versicherung. Trotz Fahrverbot für ein Jahr. Organisierter Diebstahl? Oh doch. Es gab eine Abfindung. Die Freiheit ließ lange auf sich warten. Nicht kostenlos. Radfahrer durften die Ostgrenzen verlassen. Komisch. Motorradfahrer nicht. Elektromotorradfahrer schon. Etwas anderes als ein Fahrrad mit Elektromotor ist ein Motorrad nicht. Die durften sogar nackt fahren ohne Maske, Schutzkleidung und Helm.

Endlich die Freiheit nach einem Jahr. Die Straßen sahen aus wie Feldwege. Total verdreckt, ungepflegt und voller Schutt. Das niedere Volk wurde eingesperrt und keiner machte sauber. Das höhere Volk wurde täglich auf Arbeit getestet. Das niedere Volk musste dafür den Ort wechseln. Und das war verboten. Die Diktatur liegt im Detail. Nicht in den laut und falsch vorgetragenen Worten und Pressemitteilungen.

„Sie haben die Verkündung des Landeshauptmannes falsch verstanden“, sagt mir ein Polizist aus Tissian beim Kassieren einer Strafe von 480.-Euro für das verlassen des Ortsgebietes. Im gleichen Moment fahren vier Radfahrer an uns vorbei.

„Das sind auch Radfahrer! Die fahren nicht auf Arbeit!“

Keine Reaktion.

„Die haben weder eine Maske, Handschuhe, einen Helm und eine Motorradkombi als Vollschutz an. Die sind nackt und können jeden Passanten anstecken. Auch sie. Ich rede noch nicht von Spucken, Niessen, Husten, Schweiß und Berührungen.“

Aus dieser Strafe wurden eintausend Euro. Auf ein Amt durfte ich auch nicht.

Korr100926

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