Anfangs nimmt das keiner so richtig ernst. Zumal jeder weiß, die Drohungen werden selbst mit Bildschirmfotos und Ausdrucken nicht als Anzeige angenommen. Im System – Kapitalismus schon recht nicht. Drohungen, auch verdeckte, sind der feste Bestandteil des Systems. Anzeigen werden wegen Beweismangel freundlich abgelehnt.
Das Attentat
Bevor ich wieder große Runden fahren kann, nehme ich mir kleinere Etappen vor. Zuerst besuche ich befreundete Imbissbetriebe in der Nähe. Einer von denen ist der Kiosko in Dermulo. Schräg gegenüber vom Kiosko befindet ich eine Tankstelle und direkt gegenüber eine Parkmulde. Bei jedem Besuch im Kiosko fällt mir auf, dort steht ein SUV, der von der Farbe her dem der Carabinieri ähnlich sieht.
„Werdet ihr beobachtet?“, frage ich Glaudio.
„Carabinieri sind das keine“, antwortet mir Daniela, die Chefin.
„Warum beobachtet der euch?“
„Uns scheint der nicht zu beobachten.“
„Naja. Dann seid ihr ja wenigstens vor Einbrechern geschützt.“
„Der verschwindet auch mit uns am Feierabend.“
Für Motorradfahrer ist die Einfahrt in den Verkehr in Richtung Gles nicht schwer. Allgemein staut es dort etwas. Wenn aus Richtung Gles nichts kommt, ist es einfach. Der Zweiradfahrer benutzt die freie Gegenspur und kann sich locker in den Verkehr einordnen. Reißverschlussverfahren. Unsere italienischen Fahrer lassen dafür genug Platz und erleichtern so das flüssige Fahren. Die Straße dort ist breit genug. Viele Italiener fahren dann weit rechts mit dem Auto. Motorradfahrer können leider nicht so weit rechts fahren. Wegen Kies und anderen Dingen, die gern auf Straßen liegen. Eigentlich orientieren sich Motorradfahrer mittig. Sie werden von allen Verkehrsteilnehmern besser gesehen.
Auf der Straße herrscht im Allgemeinen außer bei Einfahrten, Überholverbot. Die Straße verläuft kurvig. Als Motorradfahrer können Sie trotz des Verbotes überholen, wenn Sie in der Spur bleiben und kein Gegenverkehr vorhanden ist. Für Autofahrer ist der Überholweg zu kurz. Sie landen grundsätzlich im Überholverbot. Leute aus der Gegend wissen das. Sie kennen auch den Verkehr dort. Es ist also schon sehr verwunderlich, dass dort ein einheimischer Rentner die wilde Sau spielt. Der Attentäter, Eugenio Gaiardelli, ist nämlich drei Jahre älter als ich. Leider ist der nicht erwachsener. Daraus leitet sich auch der Vorsatz ab.
Nun stand ich mit meinem Motorrad natürlich auf der linken Seite des Parkplatzes bei Glaudio. Rechts fahren gern die Autos hin. Meine Targa zeigt also in die Richtung des Eugenio. Der liest die aus. Auch, wenn ich den freien Parkplatz für Zweiradfahrer bei Glaudio nutze. Offensichtlich hat der meine Nummer schon eher ausgelesen. So oft, wie der dort stand.
Korr140926-1

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