Attentat – Fortsetzung180926

Es dauert keine fünfzehn Minuten und ein Hubschrauber kreist über meinen Kopf. Das zweite Mal in meinem italienischen Leben. Ich werde auf eine Trage geschnallt, an einen Haken befestigt und ab geht die Reise in den Himmel. Natürlich lebend bei Bewusstsein. Eine Betäubung war nicht nötig, sagt der Unfallarzt. Es waren nur die Schulter, die Rippen und das Schlüsselbein gebrochen. Das erfuhr ich erst im Krankenhaus.

Der schöne Flug dauerte nicht lange. Wir landeten im Santa Chiara in Trient. Ein riesengroßer Komplex.

Die feste Verschnürung wurde mir langsam zu einer Art Fessel. Sie drückte gewaltig. Die Brüche fingen an, sich bemerkbar zu machen. Die Blase drückte und vielleicht auch der Schreckstuhl. Es gab keine Möglichkeit, sich auch nur zwei Zentimeter zu bewegen. Kein Drehen, kein Bein anziehen, kein Arm beugen – nichts. Zwangsfessel. Dreißig Minuten vergehen. Ich rufe, Ich winsele etwas um Eindruck zu provozieren. Letztendlich rufe ich etwas lauter. Nichts. Warum ist hier niemand? Sind die zu Mittag oder zum Kaffee? Langsam steigert sich die Qual. Ein beißender Schmerz macht sich bemerkbar. Begleitet von einem Jucken, einem quälenden Jucken. Ich kann nicht kratzen. Folter. Schwere Folter. Schwerste Folter. Anders kann ich mir körperliche Folter nicht vorstellen. Ich werde lauter. Ich rufe laut. Der Kampf um Aufmerksamkeit beginnt. Mir bleibt nur schreien. Nichts anderes. Gebündelt wie ein Rollschinken ohne jeden Bewegungsmöglichkeit. Fehlt nur noch Pökelsalz.

‚Eine Betäubung wäre vielleicht angebracht‘, dachte ich mir. Inzwischen schmerzt mir jeder Knochen. Ich habe Durst. Die Blase drückt.

„Ich scheiß hier her!“, rufe ich laut. „Sto cagando qui!“ Mir fiel ein, was mir ein italienischer Kollege auf einer Alm zu Mittag im Stress zu rief. Unendlicher Schmerz scheint das tiefe Erinnerungsvermögen zu wecken. Jetzt weiß ich, was extrem lange, intensive Folter bezweckt. In mir entsteht der Eindruck, diverse Beschäftigte des Bereiches hätten Erfahrung darin.

Ich werde erhört. Das Italienisch hat geholfen. Auf mein deutsches Fluchen hätte keiner reagiert. Die Erfahrung beschäftigt mich. Ein Teil meiner zukünftige Freizeit soll dieser schönen Sprache und dem lieben Volk gewidmet werden. Gemeinsamkeiten mit dem Leben und Umgang in der DDR zeigen sich mir.

Korr180926

Hinterlasse einen Kommentar