In einer Sechs-Tage-90-Stunden-Woche mit geteiltem Dienst legen Sie pro Tag zwischen 150 und 300 Kilometer allein für Arbeitswege zurück. Die Wege zahlen Sie. Bis auf wenige Ausnahmen.
In Tourismus – Hochburgen wie Südtirol oder den Trentino, haben Sie in jedem Fall mit reichlich Touristenverkehr zu rechnen. Touristen begehen natürlich Fahrfehler. Sie sind ortsunkundig.
Kollegen und Einheimische sind wegen des Verkehrs zu Spitzenzeiten einem besonderen Druck ausgesetzt. Der zeigt sich natürlich im besonders hektischem Verkehr und ist nicht ungefährlich. Fehler sind menschlich. Besonders unter Druck. Die gastgebende Bevölkerung eint ein großes Thema. Zeit und Zeitnot.
Dramatisch wird das in Saisonzeiten. In der Zeit trifft Zeitnot auf Entspannung und Zeitüberschuss. Die Bewegung zur Arbeit und zurück findet fast ausnahmslos im Dunkeln statt.
KhBeyer hat die 25 Jahre Arbeit in Südtirol, Österreich, Schweiz und dem Trentino unfallfrei hinter sich gebracht. Auf dem Zweirad und eineinhalb Millionen Kilometer. Mit mehr oder weniger PS. Wichtig zu wissen ist, je mehr PS, desto sicherer ist der Arbeitsweg. Aber auch erheblich teurer. Kraft benötigt eben mehr Energie. Die ist und war hier niemals besonders günstig. Offensichtlich weiß man genau, wo man die Kassenhäuschen hinstellt. Der Preis für Kraftstoffe wird damit schon mal verdoppelt. Das ist sozusagen die erste Steuer, die Sie bezahlen, nur weil Sie arbeiten möchten um zu leben.
Sie haben zwei Möglichkeiten. Entweder fahren Sie täglich nach Hause um ihre Frau und Familie zu sehen. Oder nicht. Sie können eine Woche, sechs Tage lang, auf ihrer Arbeitsstelle verbringen. Mit allen menschlichen Nebeneffekten, die Sie kennen. Sexuelle Notdurft, Ehebruch, Untreue, geistiger Verfall, Streit, Mangel an Privatleben und vieles mehr.
Arbeit, Duschen, Schlafen.
Früher nannte man das Sklaventum. Wobei Sklaven sicher erheblich freier waren.
Um diesem Leben zu entfliehen, bewegen Sie sich täglich nach Hause. Unpraktisch ist das nicht. Sie lernen den Verkehr in all seinen Formen richtig kennen. Vor allem den Verkehr in der Dunkelheit.
Gerade zu dieser Zeit bewegen sich sehr viele Leichtsinnige. Die pure Andeutung von Freiheit lässt sie mitunter spielerisch mit dem Gaspedal umgehen. Vor allem in den Pässen und in den Kurven.
Genau dieses Verhalten schult den Zweiradfahrer auf seinen Arbeitswegen. Später, mit dem Fernseher auf dem Armaturenbrett der Autos veränderte sich deren Verhalten.
„Jetzt müssen sie links abbiegen. Auf der rechten Seite befindet sich ihr Hotel.“ Und so weiter klingt es aus der Acht-Wege-Suround-Lautsprecheranlage der Geländeautos. Die Fahrer samt ihrer Beifahrer sind nicht mehr auf der Straße. Nicht mal mit dem Gehör. Scheinbar erwarten die schon zeitlebens den Himmel. Im Kapitalismus. Für neunzig Prozent der Bevölkerung wird das ein unerfüllter Traum.
Sie rechnen also als Arbeiter im Werksverkehr schon mit den dümmsten Aktionen und Reaktionen seitens der Besucher. Die Einheimischen und ihren Fahrstil lernen Sie sehr schnell kennen. Der ist in etwa so wie Ihrer.

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