Im Krankenhaus-Fortsetzung

Ich stelle fest, die Schwester in Ausbildung zeigen das größte Herz. Nicht etwa nur unsere italienischen. Nein. Ausgerechnet jene Schwestern aus Ländern, von denen wir das nie erwarten würden. Was mich besonders überrascht ist, in diesem Beruf die schönsten Vertreter des weiblichen Geschlechts zu finden. Es gibt also doch Perspektiven – außer im Puff, in der Pornoindustrie oder als Nacktmodell zu arbeiten.

Ich habe wirklich das Gefühl, die Schwestern leiden mit mir und vermeiden konsequent, mir Schmerzen zuzufügen. Jede Berührung meines Körpers ist eher mit streicheln zu beschreiben. Bei einer Ganzkörperwäsche weckt die Reinigung meines Genitalbereiches tatsächlich mein Lebensgefühl. Ich versuche das zu verbergen. Aus Scham. Die orientalische Schwester scheint das besonders glücklich zu machen. Es bereitet mir fast schon krampfhaft Schwierigkeiten, den Schweiß nicht mit Sperma anzureichern. Gerade diesen Bereich scheint die Schwester besonders fürsorglich bis intensiv reinigen zu wollen. Das scheint mir bei der Heilung allemal hilfreicher als das übergroße Holzkreuz an der Wand zu sein. Die Schwester scheint meine Reaktion zu amüsieren. Sie fragt mich in Italienisch, ob mir das gut tut.

„Io poco parle italiano.“

Was tut sie? Sie holt ein Telefon aus der Schürze und fragt mich tatsächlich mit dem Übersetzer. Ich tippe ihr ein, mein Telefon ist leider nicht geladen. Ich würde den Übersetzer auch gern benutzen. Immerhin liegen im Zimmer noch fünf italienische Patienten. Die würden gerne mit mir sprechen. Die sehr schöne Schwester sagt, sie bemüht sich, mein Telefon geladen zu bekommen. Hinter ihr steht leider eine andere Macht, die das verhindert. Ich wollte eigentlich auch meine Frau anrufen. Die weiß bisher nicht, wo ich mich befinde. Sie hat ganz sicher einen gewaltigen Schreck bekommen, als sie vom Weißen Kreuz angerufen wurde.

Der Schreck saß sehr tief. Wir haben bisher alles gemeinsam durchgestanden. Die Migration, das Leid und die wenigen Momente der Freude. Angefangen bei der Peinlichkeit gemeinsamer Bewerbungen bis hin zu getrennten Arbeitsstellen mit unterschiedlichen Arbeitszeiten und freien Tagen. Das geht bis hin zu unterschiedlichen Saisonzeiten. Wir spürten, mit uns will nicht wirklich jemand zusammen arbeiten. Man wollte uns trennen. Das wurde oft direkt ausgesprochen. Meine Frau ist sehr schön. Der Grund für die absichtliche Trennung liegt also offen vor uns im Gespräch und in den Augen der Gesprächspartner. Die pure Geilheit triefte aus ihren Augen. Nicht nur das. Später durften wir feststellen, warum. Die Hoteliers betrieben in den Umkleideräumen und nicht nur dort, versteckte und offene Kameras. Angeblich wegen Diebstählen und Einbrüchen. An den Bürocomputern der Chefs liefen dann die Filmchen und wurden sicher mitgeschnitten. Der Trick klingt einfach. Man stellt die Kameras einfach in die Wäschekammer und hält die Garderoben kleiner. Selbstverständlich wird in Wäschekammern bisweilen auch geklaut. Die Gäste tun das auch. Massiver. Jedenfalls ist der Schwund ein Teil der Kosten und kein Grund, das weibliche Personal unter der Dusche zu filmen.

Zumal der größte Teil des Personals eh in betriebseigenen Personalzimmern lebt. Wenn dort noch heimlich gefilmt wird, ist der Gipfel erreicht.

Am späten Nachmittag des kommenden Tages kommt meine Frau zu Besuch. Ihr Chef wollte sie eher nicht gehen lassen. Ich wäre das nicht wert, meint er. Das Niveau der Niederträchtigkeit erreichte damit den Höhepunkt. Die Einen fahren dich tot und die Anderen dürfen nicht mal Trauern – etwas spitz ausgedrückt.

korr220926

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